
Dass auch in Freiberg und im Landkreis Mittelsachsen etlicher Verbesserungsbedarf besteht, zeigte sich an der intensiven Diskussion im Rahmen der Veranstaltung - Weichen stellen für den Nahverkehr im Raum Freiberg - am 24. März.
Die knapp 30 InteressentInnen brachten den Veranstaltungsort die Kaffeerösterei Momo in der Korngasse 3 an die Kapazitätsgrenzen.
Mit Eva Jähnigen gab die verkehrspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN einen Überblick über die derzeitigen politischen Zuständigkeiten der verschiedenen Öffentlichen Verkehre, die katastrophalen aktuellen Pläne der Deutschen Bahn Sachsen betreffend sowie die Notwendigkeit der Stärkung der Umweltverbünde. „Der geplante Ausstieg aus der Neigetechnik und die damit verbundenenen erheblichen, dauerhaften Reduktionen im sächsischen Bahnfernverkehr bedeutet, dass die Anschlüsse an den Schienen- und Fernverkehr für wichtige Teile Sachsens gänzlich infrage gestellt und die Anbindungen der Städte Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Dresden an den Bahnfernverkehr drastisch verschlechtert werden. Deshalb werden wir am 30.März einen Antrag ins Plenum des Sächsischen Landtages einbringen“, so Jähnigen.
Neben ihr saß mit Fritjof Mothes vom Stadtlabor Leipzig ein ausgewiesener Verkehrsplaner im Podium.
Fritjof Mothes, der im Auftrag der GRÜNEN-Fraktion die Studie Sachsentakt 21 erstellt hatte, gab Beispiele, wie mit wenig Aufwand und Kosten, das Angebot in der Region entscheidend verbessert werden könnte. Durch die Einführung eines "Integrierten Taktfahrplans" könnten auch in Sachsen die Fahrgastzahlen in Bussen und Bahnen deutlich erhöht werden. „Vorbild für einen solchen integralen Taktverkehr ist Rheinland-Pfalz, wo das längst Realität ist“, erklärte er. Der Sachsentakt 21 sieht vor, dass an Bahn-Hauptknoten wie Chemnitz, Dresden und Freiberg das Umsteigen auf den Fern- und Regionalverkehr innerhalb weniger Minuten immer im gleichen Takt geschieht. Zeitlich versetzt müsse dies auch auf kleineren Knotenbahnhöfen sowie den Bahn-Bus-Schnittstellen im ländlichen Raum durchgehalten werden, erläuterte Fritjof Mothes. Das Angebot in der Fläche sollte zudem mit Bussen oder Sammeltaxis verbessert werden. "Grundlage für das Konzept ist der 1-Stunden-Takt, der die großen sächsischen Städte verbindet, wo das nicht durch den Fernverkehr gesichert ist, muss der schnelle Regionalverkehr im Stundentakt verkehren", sagte Mothes. Um die Verbindung zwischen Bayern und Sachsen zu verbessern, forderte Mothes die schnelle Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale.
Mit Sebastian Tröbs moderierte ein GRÜNES Vorstandsmitglied des Kreisverbandes Mittelsachsen die sich anschließende einstündige Diskussion.
Einer der Hauptkritikpunkte aus dem Auditorium war die mangelnde Abstimmung in Verbindungs- und vor allem Ticketfragen zwischen den beiden kommunalen Verkehrsverbänden VVO und VMS in der Region.
Vor allem die kostenfreie und technische Möglichkeit der Fahrradmitnahme war ein Thema für das Publikum, welches natürlich bei Eva Jähnigens Zustimmung fand.
Eigene Erfahrungen mit oftmals völlig unzureichender Barrierefreiheit im Bereich der Bahnsteige und Verkehrsmittel in der Region wurden geschildert. Eva Jähnigen konnte als einzige GRÜNE Vertreterin in einem sächsischen kommunalen Verkehrsverbund (VVO) berichten, dass in den aktuellen Ausschreibungen Barrierefreiheit für die einzusetzenden Fahrzeuge explizit vertraglich geregelt wurde. „Allerdings ist eine Übergangszeit bis 2011 festgelegt“, so die Verkehrspolitikerin.
Dass erstmals nicht nur pauschal Leistungen bezahlt werden sollen, sondern ein Anreiz für die zusätzliche Kundengewinnung vertraglich fixiert wurde, stieß auf Zustimmung, aber auch auf Verwunderung über die bisher übliche Praxis.
Themen der Diskussion waren u.a. die mangelnde Taktabstimmung in Mulda beim Umstieg in den Bus nach Sayda (Problem zwischen VMS und Freiberger Eisenbahngesellschaft) sowie die Einstellung der Buslinie Augustusburg-Flöha ab 18 Uhr. Beides sind Probleme die als politisch verantwortliches Gremium der Kreistag beeinflussen kann. „Wer sich nicht einmischt und seine Abgeordneten zum Handeln auffordert, wird nichts erreichen. Deshalb ist uns eine Ausweitung der Fahrgastrechte auch so wichtig“, ergänzte Jähnigen. Das Fazit? Es bleibt viel zu tun, Engagement bleibet gerade in der aktuellen Debatte bitter nötig, mehr GRÜNE VertreterInnen in den Gremien der kommunalen Verkehrsverbünde könnten ein wichtiger Schritt hin zu einem verbesserten Angebot im Öffentlichen Verkehr sein.




