Masterplan SACHSENTAKT 21 - Qualittsoffensive fr den Bahnverkehr in Sachsen
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Höherer Anteil der Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden

Derzeit werden im Freistaat Sachsen 9 % aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt. Je höher der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr ist, desto effizienter lässt sich Verkehr als Gesamtkomplex abwickeln. Effizienz ist hierbei durchaus in verschiedensten Dimensionen zu verstehen: Radfahrer sind gesünder und verursachen somit weniger Kosten im Gesundheitswesen. Jede Fahrt mit dem Fahrrad ist eine eingesparte PKW-Fahrt, entlastet die Straßennetze und macht den überbordenden Flächenverbrauch der PKW-Gesellschaft unnötig. Radfahren befördert effiziente Raumstrukturen, die auf kurzen, effizienten Wegen beruhen.

Förderung des Alltagsradverkehrs

Den Alltagsradverkehr zu fördern, hängt naturgemäß stark mit dem Handeln der Verwaltungsebenen zusammen. Denn diese planen Netze und Anlagen für den Radverkehr. Die Sächsische Bauordnung (SächsBO § 49) sieht die Errichtung von Fahrradabstellanlagen bei Neubauten bzw. die Möglichkeit vor, dass die Kommunen eine Stellplatzablöse für nicht gebaute Abstellanlagen verlangen können. Die Durchsetzung dieses Teils der SächsBO scheitert aber sehr oft an ihrer mangelnden Deutlichkeit. Eine Konkretisierung der Bauordnung würde zumindest bei Neubauten zu einer stärkeren Berücksichtigung des Radverkehrs führen. Der Freistaat kann aber auch durch andere Maßnahmen tätig werden. Durch Modellprogramme könnten Arbeitgeber bei der Anlage von regengeschützten Abstellanlagen gefördert werden. Auch die Erstellung eines Leitfadens zum Fahrradparken für Planer und Bauherren würde dafür sorgen, dass schon in einer frühen Phase der Planung von Neubauten auf den Radverkehr geachtet würde. Und schließlich ist der Freistaat selbst gefordert, als gutes Vorbild voranzugehen und an den Gebäuden in seinem Besitz (Verwaltung, Hochschulen, etc.) gute Bedingungen für Radfahrer zu schaffen.

Radtourismus

Die Sächsische Staatsregierung hat sich mit der Radverkehrskonzeption ehrgeizige Ziele gesetzt, was den Radtourismus in Sachsen angeht. Doch hängt die Umsetzung sehr stark vom Engagement und dem Willen der Kreisverwaltungen ab. Auch sind für den sächsischen Radtourismus bessere Eisenbahnfernverbindungen mit der Möglichkeit der Fahrradmitnahme, insbesondere nach Süddeutschland dringend nötig.

Verknüpfung von Bahn & Rad

Nicht nur in Städten, sondern auch im ländlichen Raum hat das Fahrrad als Zubringer zum ÖPNV ein großes Potential. Der Einzugsbereich von ÖPNV-Haltepunkten erweitert sich durch attraktive Abstellmöglichkeiten für Fahrräder erheblich, da die Wegkette Fahrrad-Bahn erst mit dem Vorhandensein qualitätvoller Abstell-Angebote in hohem Umfang genutzt wird. Um das ganze Potenzial der Bahn zu heben, braucht es also auch gute Ideen der Radverkehrsförderung. Anzustreben wäre hier eine Initiative des Freistaats zum Aufbau von Fahrrad­stationen nach dem Vorbild Nordrhein-Westfalens.

Weiterer Handlungsbedarf bei der Verknüpfung von Bahn und Rad besteht in Sachsen in teils mangelhaften Möglichkeiten zur Mitnahme von Fahrrädern im Eisenbahnnahverkehr. Es geht anders: In Sachsen-Anhalt ist landesweit die Mitnahme von Fahrrädern im Regionalverkehr durchweg kostenfrei möglich, was auch daher rührt, dass dort kein Flickenteppich von nebeneinander agierenden Verkehrsverbünden besteht, die jeweils verschiedene Tarifmodelle anwenden.

Sicherheit beim Radfahren

Verkehrssicherheitsarbeit sollte stärker auf Erwachsene und Schüler ab der 5. Klasse zugeschnitten sein. In die Lehrpläne der sächsischen Schulen gehört statt der „klassischen“ Verkehrserziehung für Grundschulkinder eine umfassende Mobilitäts­erziehung, deren Fokus nicht darauf liegt, die Kinder an den Automobilverkehr anzupassen, sondern umfassend und über die Grundschulzeit hinaus die Themen aktiver wie passiver Verkehrssicherheit und eine gesundheits- und umweltbewusste Verkehrsmittelwahl thematisiert. In Schleswig-Holstein gibt es diese Mobilitätserziehung schon länger.

Die bisherige Fixierung der Radverkehrssicherheits­arbeit auf die potentiellen Opfer (Debatten über Helm-, Radwegebenutzungspflicht, Anlage von „Bettelampeln“ aus Gründen der Verkehrssicherheit etc.) sollte beendet werden. Statt baulicher und technischer Benachteiligung der schwächeren Verkehrsteilnehmer sollte die Verkehrs­sicherheit vor allem durch Tempobeschränkungen und die Verengung von Verkehrsflächen zulasten „starker“ Verkehrsteilnehmer erfolgen.

Die Entmischung von Rad- und Kraftverkehr kann keine Standardlösung zur Erhöhung der Verkehrs­sicherheit sein, da sie vor allem den motorisierten Verkehr beschleunigt. Alternative Konzepte wie Verkehrsberuhigung oder Shared Space sind Mittel, die Verkehrssicherheit so ermöglichen, dass keine Verkehrs­teilnehmer über­mäßig benachteiligt oder ungleich stark gefährdet werden.

Sicherheit oder Gefährdung im Straßenverkehr hängt auch damit zusammen, wie stark ein Verkehrsmittel als solches akzeptiert ist. Polizeistreifen auf Fahrrädern können dazu beitragen, sowohl die Akzeptanz gegenüber dem Fahrrad als Verkehrsmittel zu stärken, wie sie auch das Verhalten von Radfahrern positiv beeinflussen.

Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation für den Radverkehr

Dem Radfahren fehlt, besonders in Sachsen, ein gutes Image. Automobilität hingegen hat auch in vielen Verwaltungsstellen ein höheres Ansehen und in Straßen­planungen ein größeres Gewicht, obwohl es dafür kaum einen plausiblen Grund gäbe. Im Vergleich zum Fahrrad sehr erfolgreich ist die Automobilität aber durch die dauerhafte Präsenz professioneller PR, die mit Erfolg Werte wie Freiheit, Selbstständigkeit und Fortschritt exklusiv auf den motorisierten Individual­verkehr reflektiert.

Zu zeitgemäßer Verkehrsplanung gehört neben der Planung und Umsetzung von Bauvorhaben auch die Vermarktung, die erst dafür sorgt, dass solche Vorhaben auch wahr- und angenommen werden. Dies ist insbesondere im Radverkehr der Fall, wo Bau­vorhaben meist weniger pompös ausfallen, als beim Autoverkehr oder dem ÖPNV. In Paris kann man derzeit beobachten, welch großes mediales Echo die Einrichtung eines Fahrradverleihsystems haben kann. Das Echo muss nur gewollt und ausgelöst werden.

Ein weiterer bedeutender Bestandteil guter Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr ist die Kommunikation des Freistaats mit den sächsischen Kommunen, Bauherren, Handel und Verbänden. Diese und viele weitere Akteure können aktiv bei der Förderung des Radverkehrs mitwirken. Auch Verkehrs­sicherheit und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr kann über den Weg der Öffentlichkeitsarbeit wirksam unterstützt werden.

Kontakt

Katja Meier

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