Masterplan SACHSENTAKT 21 - Qualitätsoffensive für den Bahnverkehr in Sachsen
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28. Juni 2010

ZUM SCHIENENFERNVERKEHR IN SÜDWESTSACHSEN


Vor über einhundertsiebzig Jahren wurde mit der Bahnstrecke Leipzig-Dresden das Zeitalter des deutschen Schienenfernverkehrs eingeläutet. Bis zum ersten Weltkrieg entstand im Land Sachsen das dichteste Eisenbahnnetz Deutschlands. Zwanzig Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung ist das Gezerre um den Ausbau der süwestsächsischen Fernverkehrsstrecken ein vor allem politischer Skandal. Schuld am deutschlandweit einmalig schlechten Zustand des Schienenfernverkehrs im wirtschaftlich stärksten sächsischen Ballungsraum tragen in nicht unerheblichem Maße die sächsischen Landesregierungen unter Ministerpräsident BIEDENKOPF seit der Wende 199o. Den Auftrag zur Überwindung der deutschen Spaltung durch Ausbau der Verkehrsinfrastruktur erfüllten sie mit einseitiger Rekonstruktion und dem Neubau von Autobahnen nicht. Vor allem der südwestsächsische Schienenfernverkehr Richtung Nürnberg und nach Weimar / Erfurt wurde sträflich vernachlässigt. Ähnliches ist seit Einrichtung des Bahnverkehrs nur für die beiden Weltkriege feststellbar. So ist nun zwanzig Jahre nach der deutschen Einheit zwischen Dresden und Nürnberg sowie zwischen Chemnitz und Weimar der Zustand des kalten Krieges noch nicht überwunden. Selbst während stärkster politischer Spannungen zu DDR-Zeiten wurde die Bahnstrecke Dresden-München durchgehend befahren.. Seit Mitte der neunziger Jahre schon existiert diese traditionsreiche Fernverbindung nicht mehr. Der wirtschaftliche, touristische und politische Schaden durch den tiefprovinziellen Zustand dieser Schienenfernverkehrsstrecken ist für Südwestsachsen und den gesamten Freistaat Sachsen sehr groß. Im Hinblick auf Entwicklungen innerhalb der Europäischen Union muß diese Feststellung auf die Strecke Nürnberg-Dresden-Görlitz-Wroclaw-Krakau erweitert werden.


Die thüringische Ministerpräsidentin LIEBERKNECHT traf in der 24.Kalenderwoche im Juni mit dem Bahnchef GRUBE zusammen. Beratungsgegenstand war der Ausbau der MITTE-DEUTSCHLAND-VERBINDUNG von Kassel bis nach Gera, thüringisch begrenzt. Warum gesellt sich der sächsische Ministerpräsident TILLICH nicht zu dieser Beratungsrunde seiner Parteifreundin hinzu, um mit Verweis auf den logisch zu verlängernden Ausbau dieser Trasse bis zur SACHSEN- FRANKEN-MAGISTRALE in Glauchau einen politisch begründeten Auftrag von zwei Bundesländern vorzutragen?

Hundertsiebzig Jahre nach Einführung der deutschen Eisenbahnen erinnern heutige Zustände der südwestsächsischen Schienenfernverbindungen an deutsche Kleinstaaterei zu Zeiten des Eisenbahnpioniers FRIEDRICH LIST. Angesichts von Klimawandel, Ende fossiler Rohstoffe und dem Gebot nachhaltigen Wirtschaftens ist das energetisch unschlagbare Rad-Schiene-Prinzip kein museales Relikt, wie dies infantile und tiefprovinzielle Autofetischisten praktizierend behaupten, sondern modernste Zukunftstechnologie. Forcierter Ausbau von Schienenwegen in Europa, Asien, Afrika bis zu den USA beweist dies.

Gemeinsam sollten die Landtage von Sachsen, Thüringen und Bayern mit ihren großen Städten sich anstrengen, den beschämenden Zustand des Schienenfernverkehrs zwischen Sachsen, Thüringen und Bayern im Sinne de Auftrags zur deutschen Einheit zu überwinden. Ohne zeitgemäß ausgebaute Schienenfernstrecken zwischen den drei Ländern sind die Strategien für Künftiges nicht erreichbar.

           prof. karl clauss dietel / chemnitz

 

Prof. Karl Clauss Dietel (* 1934) ist ein bekannter Formgestalter und war u.a. Präsident des Verbandes Bildender Künstler. Heute lebt er als freischaffender Designer in Chemnitz.


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