Masterplan SACHSENTAKT 21 - Qualittsoffensive fr den Bahnverkehr in Sachsen
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14. Juni 2013

Veranstaltungsbericht: „Können wir unsere Bahn noch retten?! – Zur Zukunft der Strecke Meißen-Nossen-Roßwein-Döbeln-Leipzig“


Insgeamt 45 Gäste waren gekommen um mit den Podiumsteilnehmern über die Zukunft der Bahnlinie und des ÖPNV im Grenzgebiet zwischen den Verbünden
Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) zu diskutieren. Für das Podium hatte sich neben den angekündigtem Bürgermeister von Roßwein, Veit Lindner, dem Zweckverbandsgeschäftsführer des VVO,  Burkhard Ehlen, dem Abteilungsleiter Verkehr Holger Dehnert  sowie den GRÜNEN Abgeordneten Eva Jähnigen (Landtag) und Peter Wunderwald (Stadtrat Nossen) kurzfristig noch der Geschäftsführer des VMS, Dr. Harald Neuhaus, angesagt.
Peter Wunderwald führte als Moderator mit einem Rückblick auf die Geschichte der Bahnstrecke und die bis 2001 deutlich besser angenommenen schnellen Regionalexpressfahrten ein. Damals gab es noch eine Anbindung nach Dresden und es verkehrten täglich um die 1000 Fahrgäste auf der Strecke. Nach der Flut 2002 sei die Strecke für insgesamt 45 Millionen Euroe ertüchtigt worden. Er stellte auch den Entwurf eines touristischen Flyers mit gezielter Bewerbung ausgewählter Attraktionen an vielen Haltepunkten der Strecke vor.
Dass der VVO trotz eigener Marketing- und Tourismusabteilung bisher keine touristische Werbung betrieben habe, sei aus Sicht des Landkreises Meißen unverständlich.
Die Zweckverbandsgeschäftsführer informierten über den derzeitigen Stand der Überlegungen. Im Leipziger Raum ist die Strecke sehr gut, bis Döbeln mäßig und ab Döbeln nur noch schlecht ausgelastet. Zwischen Döbeln und Nossen führen täglich im Schnitt nur noch 200 Fahrgäste; das rechtfertige keinen Eisenbahnbetrieb mehr. Befürchtet werde, dass die weiter sinkende Bevölkerung im Raum um die Strecke die Situation in den kommenden Jahren nicht verbessern würde. Bis 2015 sei der Zugverkehr auf der Strecke noch bestellt. Die Leistungen für die Zukunft seien derzeit ausgeschrieben. In der Ausschreibung ist der Personenverkehr über Grimma nach Döbeln und Meißen nur noch als Option enthalten. Ob die Bahn noch bis Döbeln oder aber auch über Döbeln hinaus nach Meißen fahren werde müsse im Herbst entschieden werden. Die Verkehrsverbünde haben ein gemeinsames Gutachten zum ÖPNV-Potenzial an der Strecke beim Büro ETC in Auftrag gegeben. Dieses Büro habe alle öffentlich gemachten Vorschläge zur besseren Ausschöpfung der Fahrgäste geprüft. Das Gutachten werde derzeit noch intern diskutiert und bearbeitet und wird erstmals öffentlich auf der Verbandsversammlung des VVO am 19. 6. ab 10 Uhr in Weinböhla vorgestellt.
Eine Abbestellung der Leistungen und Ersatz durch Busverkehr im Bereich der niedrigsten Inanspruchnahme werde aus Kostengründen erwogen.
Der Bürgermeister von Roßwein und Kreistagsabgeordnete Veit Lindner führte aus, dass diese Überlegungen aus Sicht der Stadt Roßwein überraschend kämen. Derzeit investiere Roßwein als Anliegerkommune 350 000 T € in die von der DB AG vorgenommenen Netzsanierungen an Bahnübergängen. Ohne Weiterführung des Personenverkehrs sei diese Finanzbelastung der Kommune wenig sinnvoll und Roßwein wäre weiterhin abgebunden. Er befürchte allerdings, dass angesichts dieser Spardrücke auch in dieser Frage der Altkreis Döbeln nur eine zu schwache Lobby im Landkreis Mittelsachsen und in der Regionalpolitik habe. Als Bürgermeister sei er bisher nicht in die Überlegungen zur Zukunft der Strecke einbezogen worden.
Die Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen stellte ein gemeinsam mit Peter Wunderwald erarbeitetes Positionspapier mit Rettungsvorschlägen für die Bahnlinie Leipzig – Döbeln – Meißen vor. Sie forderte, dass die Bahnstrecke nicht der zu kleinteiligen Zweckverbands- und Tarifstruktur sowie fehlender Abstimmung zwischen Bus und Bahn zum Opfer fallen dürfe. Eine Wiederanbindung nach Dresden als Eilzug nach Dresden Hauptbahnhof mit Halten in Coswig und Cossebaude sei aus Ihrer Sicht durch Verlängerung der Umlaufzeiten ebenso maßvoll finanzierbar wie einige Zusatzhalt (Kosten des Halts am Kloster Altzella 40.000 Euro). Vor allem aber muss nach Ansicht der beiden GRÜNEN Abgeordneten ein gemeinsamer Nahverkehrstarif zwischen Bus und Bahn auf der kompletten Strecke her. Ein abgestimmtes Angebot zwischen Bus und Bahn, besonders am Knotenpunkt Döbeln, könne anders als bisher die Attraktivität des gesamten ÖPNV-Angebotes erhöhen und zusätzliche Fahrgäste an die Strecke bringen. Eva Jähnigen schlug die Gründung eines regionalen Bündnisses zum Erhalt der Strecke vor.
Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger aus der Region schilderten die Situation aus ihrer Sicht als Fahrgäste und anwesende aus ihrer Stadtratssicht aus Roßwein, Nossen und Döbeln. Sie brachten konkrete Beispiele für unabgestimmte Takte zwischen Bus und Bahn vor. Sie kritisierten den Tarifwirrwarr an der Zweckverbandsgrenze zwischen VVO und VMS, nicht funktionierende Fahrscheinautomaten und zu selten vorhandene Kundenbetreuer in den Zügen. Von den Zweckverbänden und dem Freistaat werde erwartet, dass sich diese nicht nur der Fahrgäste in den Ballungsräumen annehmen würden, sondern auch gute Angebote für die Bevölkerung in den dünner besiedelten Räumen organisieren würden. Hier steige die Anzahl älterer, auf den Öffentlichen Verkehr angewiesener Menschen von Jahr zu Jahr. Besonders begrüßt wurden daher die Überlegungen zur linkselbischen Wiederanbindung der Strecke nach Dresden Hauptbahnhof. Die Zweckverbandsgeschäftsführer sagten eine ergebnisoffene Prüfung aller Anfragen und Vorschläge und einen offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern sowie allen kommunal Verantwortlichen in der Region zu. Nach 3 Stunden musste die Veranstaltung mit vielen offenen Fragen beendet werden. Die Zweckverbandsgeschäftsführer kündigten eine öffentliche Bürgerinformation zum Gutachten über die Situation auf der Strecke am 03. Juli in Nossen im Sachsenhof an. Jähnigen informierte, dass die Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN am 11. 09. eine weitere Veranstaltung zum Thema in Döbeln machen werde (genauere Informationen noch unter www.mobiles-sachsen.de). 
Weiterführende Informationen:
a) Darstellung der Aufgaben eines Verkehrsverbundes
b) Informationen zum VVO
Entscheidungsträger in der Verbandsversammlung des VVO
Nächste öffentliche Verbandsversammlung VVO mit Vorstellung des Gutachtens zur Strecke am 19. Juni 2013 ab 10 Uhr in Weinböhla
Verbandsversammlung mit der Entscheidung über Bestellung oder Abbestellung Nossen – Meißen: voraussichtlich im November
c) Informationen zum VMS: Verbundgebiet
Verantwortliche: die beteiligten Landkreise und die Stadt Chemnitz werden im VMS lediglich durch die Oberbürgermeisterin von Chemnitz und die 3 Landräte von Zwickau, Erzgebirge und Mittelsachsen vertreten; Verbandsvorsitzender ist der Landrat von Zwickau, Dr. Christoph Scheuerer
Entscheidungstermine: derzeit nicht bekannt, Ankündigung auf VMS-Homepage zu erwarten
d) GRÜNES sachsenweites Bahnkonzept


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