
Rückblick: Die Elbe - Droht einem der letzten frei fließenden Flüsse Europas der Ausbau?
Im Saal des Alten Kinos in Königstein versammelten sich am Abend des 29. März mehr als 25 Personen um vor dem Hintergrund des geplanten Neubaus einer Staustufe in der Nähe von Dolní Žleb über das zukünftige Erscheinungsbild der Elbe zu diskutieren.
Zu Beginn konnten die drei Gäste im Podium Gottfried Mann, BUND Landesvorstand, Jens, Michel, Landtagsabgeordneter CDU, Stephan Kühn, Bundestagsabgeordneter BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ihre Positionen darlegen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Eva Jähnigen, der verkehrspolitische Sprecherin, der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Stephan Kühn konzentriert sich in seinem Beitrag auf die Rolle der Elbe als Gütertransportweg. Er stellte dar, dass die Transportmengen der Güterschifffahrt seit Jahren auf sehr niedrigen Niveau mehr oder weniger stagnieren. Was dazu führen könnte dass die Elbe als Bundeswasserstraße abgewertet werden könnte und dadurch deutlich weniger Geld für Investitionen zur Verfügung stehen würde. Außerdem ist für die nächsten Jahre auch nicht mit einer Steigerungen der Gütermengen zu rechnen, da der für einen Gütertransport notwendige Mindestwasserstand von 1.60 m in folge des Klimawandels an immer weniger Tagen im Jahr erreicht wird. Stephan Kühn regte an über Alternativen zum Gütertransport auf der Elbe nachzudenken.
Gottfried Mann erklärte, die Elbe müsse als einer der letzten noch weitgehend frei fließenden Flüsse Europas erhalten werden. Eine neue Staustufe bei Dolní Žleb würde diesen Storm weiter einengen und hätte erhebliche ökologische Folgen für Flora und Fauna in und an der Elbe. Auch hätte die Staustufen auch einen negativen Aspekt auf die Schönheit der Landschaft in der Böhmischen Schweiz. Außerdem sei es auch ohne eine weitere Regulierung des Flusses möglich Güter wie Turbinen, Rotorblätter für Windkraftanlagen oder Teile für Großbrauereien zu transportieren.
Jens Michel machte deutlich das die Tschechische Republik jedes Recht hätte über den Bau neuer Staustufen nachzudenken und das etwas mehr Ruhe und weniger Aufgeregtheit der Diskussion gut tun würde. Michel erklärte, die Tschechische Republik habe als Binnenstaat ein berechtigtes Interesse einen Zugang zu den großen Hochseehäfen anzustreben und dies versuchen umzusetzen. Natürlich müsse die Tschechische Republik als Mitglied der EU auch die Einwende aus Sachsen berücksichtigen. Er als Abgeordneter wollen sich noch bis Mitte des Jahres Zeit nehmen um sich nach gründlicher Abwägung aller Argumente zur Problematik zu positionieren.
In der anschließenden Diskussion wurden Fragen zu den Auswirkungen der Staustufen auf die Sächsische Schweiz, die möglichen Alternativen zum Gütertransport auf der Elbe, und die Rolle des Tourismus an der Elbe debattiert. Alle drei Podiumsgäste machten klar das beim Tourismus an der Elbe noch Entwicklungspotentiale gibt, so kann der Bootstourismus auf der Elbe und der Wandertourismus in der Böhmischen Schweiz noch ausgebaut werden. Auch die Rolle der staatseigenen Sächsische Binnenhäfen Oberelbe GmbH wurde thematisiert, Gottfried Mann erklärte, die Sächsischen Binnenhäfen sehr viel mehr Güter zwischen Schiene und Straße als zwischen Schiff und Schiene bzw. Straße umschlagen und die Umschlagskapazitäten zwischen Schiene und Straße sogar noch Ausbauen.
Der Geschäftsführer der Sächsisch-Tschechischen Häfen und Vorsitzende der Handelskammer Decin, Jiri Aster, betonte die Bedeutung die die Elbe für den Außenhandel der Tschechischen Republik habe und das es deshalb nötig wäre die Güterschifffahrt auf der Elbe weiter auszubauen. Der Bürgermeister von Kurort Rathen Thomas Richter machte klar, dass er gegen den Neubau der Staustufen ist.
Thomas Richter griff genau so wie einige anderen Gäste die Lärmproblematik im Elbtal auf und forderte, dass eine mögliche Verlagerung des Güterverkehrs von der Elbe auf die Elbtaltrasse keine weitere Lärmbelastung für Anwohner und Gemeinden im Elbtal bedeuten dürfte.
Eine Veranstaltung der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema „Bahnlärm im Elbtal“ ist für den Herbst geplant.
