
Protestwanderung gegen Ausbau der Raupenbergstraße in Langenburkersdorf

Eva Jähnigen, Grünen-Landtagsabgeordnete (l.), und Ines Kummer von den Kreis-Grünen schauen sich eine Schautafel mit gefährdeten Tierarten an, die durch einen Ausbau der Raupenbergstraße in Langburkersdorf gefährdet wären.
Sächsische Zeitung Sebnitz, 23. August 2010
Langburkersdorfer gegen den Grenzausbau
Von Katarina Lange
Der Protest gegen den Ausbau der Grenzverbindung zwischen Langburkersdorf und dem tschechischen Lobendava geht in eine neue Runde. Die Bürgerinitiative Langburkersdorf hat am vergangenen Freitag eine symbolische Wanderung entlang der Ausbaustrecke organisiert, um auf die Situation aufmerksam zu machen. Mit Erfolg. Mehr als 160 Langburkersdorfer beteiligten sich an der Aktion und protestierten gegen die Pläne des Straßenbauamtes Meißen-Dresden und des Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.
Umgehungsstraße gefordert
„Ich bin beeindruckt, wie viele Langburkersdorfer mitziehen“, sagt Susanne Jentsch. Es sei eine Bestätigung für das bisherige Engagement der Bürgerinitiative, zu der etwa 15 Aktive gehören. Sie kämpfen seit mehreren Jahren für eine Umgehungsstraße. Im Frühjahr mussten sie jedoch einen herben Rückschlag einstecken. Zwei Umgehungstrassen, die bisher zur Debatte standen, wurden vom Ministerium abgelehnt. Für die nächsten 15 Jahre seien diese Pläne nun vom Tisch. Stattdessen wird ein Ausbau der Ortsdurchfahrt von Langburkersdorf favorisiert. Pläne, gegen die sich die Anwohner quer stellen.
Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, Grundstücke und Häuser. Von der Haustür zum Straßenrand sind es mitunter nur wenige Meter. Fußgängern bleibt nur ein schmaler Streifen. „Wenn hier bald Schwerlaster Richtung Grenze rollen, leben wir alle gefährlich“, sagt Susanne Jentsch. In ihrer Wohnzimmervitrine würden schon die Gläser wackeln, wenn nur ein Traktor vorbeifährt. Hinzu kommt die Tallage, die sich negativ auf Lärm und Schadstoffablagerungen auswirke.
In ihrem Kampf gegen den Grenzausbau werden die Langburkersdorfer mittlerweile auch von politischer Seite unterstützt. Neben den Neustädter Stadträten Christian Kowalow (FDP), Joachim Grünberger (Linke), Rita Schöne (NfN) und Dietrich Schirrmacher (CDU) sicherte Eva Jähnigen, Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Grüne und verkehrspolitische Sprecherin, Hilfe zu. „Es ist gut, dass die Anwohner so früh aktiv werden“, sagt sie. Wenn das Planfeststellungsverfahren zum Ausbau der Raupenbergstraße erst einmal laufe, könnte das Projekt nur noch schwer gestoppt werden. Darüber entscheide das Ministerium demnächst. Bei der Wanderung durch den Ort gerät die Landtagsabgeordnete ins Schwärmen. Diese Idylle zu zerstören, sei nicht richtig, auch im Hinblick auf die Tierwelt.
Rebhühner sind gefährdet
Auf diesen Aspekt bauen auch die Langburkersdorfer. In unmittelbarer Nähe der Ausbautrasse befindet sich ein Biotop. „Die Eigentümer haben dafür erst 2002 den sächsischen Umweltpreis bekommen“, sagt Sylvia Wirthgen, die sich bei der Bürgerinitiative engagiert. Unter anderem wurden Rebhühner, die auf der roten Liste der bedrohten Tierarten stehen, auf den umliegenden Feldern ausgewildert. „Diese Population ist nun akut bedroht“, sagt sie und nennt damit nur ein Beispiel.
Bei der bisherigen Bewertung habe das Ministerium naturschutzrechtliche Aspekte kaum berücksichtigt. „Man stützte sich nur auf nackte Zahlen, ohne die Situation vor Ort betrachtet zu haben“, wirft Sylvia Wirthgen den Verantwortlichen vor. Gemeint sind die Studien zum Verkehrsaufkommen, die sowohl das Ministerium, als auch die Bürgerinitiative in Auftrag gegeben
haben. Die Zahlen weichen stark voneinander ab. Eine unabhängige Studie der Anwohner habe mit rund 7000 Fahrzeugen ein doppelt so hohes Verkehrsaufkommen ermittelt. Die Bürgerinitiative fordert nun, dass bei der Bewertung noch weitere Kriterien abgeklopft werden. „Es muss noch eine
alternative Variante als den Ausbau unserer kleinen Dorfstraße geben“, sagt Sylvia Wirthgen.

