
Grüne Verkehrskonferenz zur Sachsen-Franken-Magistrale: Bürgerinitiative will Druck auf Entscheidungsträger ausüben
Auf der Verkehrskonferenz der Landtagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN am Samstag, dem 26.06., in Plauen, hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die Druck auf alle Entscheidungsträger zum Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale ausüben will.
In einer verabschiedeten Resolution werden der Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Reichenbach-Hof bis 2013 sowie nach Nürnberg bis 2018 gefordert. Auf der Strecke müsse es einen attraktiveren Bahnverkehr mit Einbindung in einen deutschlandweiten Taktverkehr geben.
"Zukunft und Qualität des gesamten Zugverkehrs in Westsachsen hängen von der Elektrifizierung und guten Vertaktung der Angebote auf der Sachsen-Franken-Magistrale ab", erklärte Eva Jähnigen, die verkehrspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Fraktion, auf der Konferenz. "Da der Leipziger Citytunnel nur elektrisch befahrbar sein wird, droht Westsachsen sonst von Leipzig abgeschnitten zu werden."
Der sächsische Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn fürchtet, dass die Zusagen von Bund und Freistaat auf wackligen Füßen stehen: "Ausbau und Elektrifizierung der Sachsen-Franken-Magistrale sind trotz vieler Beruhigungssignale weder komplett finanziert noch terminiert. Die Unterschriften unter der Finanzierungsvereinbarung fehlen bis heute. Die Staatsregierung darf nicht weiter die Eisenbahn vernachlässigen, sondern muss auf Investitionen auf dieser Strecke drängen."
Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) mahnt eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf dem wichtigen Schienenweg an. "Bereits jetzt braucht es auf dieser Strecke Bahnangebote mit Fernverkehrsniveau", so Clemens Kahrs, Vertreter des VCD. "Die Verzahnung mit dem Nahverkehr entlang der Sachsen-Franken-Magistrale muss schnellstens verbessert werden. Schlechte Umsteigemöglichkeiten machen den Schienenverkehr unattraktiv." (Vortrag als pdf)
Der neuen Bürgerinitiative gehören Vertreter aus allen Städten des Sächsisch-Bayerischen Städtenetzes sowie von Dresden und Nürnberg an. Den Vorsitz der Bürgerinitiative übernahm Thorsten Poth aus Zwickau.
An der Konferenz nahmen zudem Vertreter von Verwaltungen und Verbänden teil.
Vorgestellt wurde eine im Auftrag des sächsisch-bayrischen Städtenetzes
entstandene Potenzialuntersuchung für die Strecke als Verbindung
zwischen den Metropolregionen Mitteldeutschland und Nürnberg. (Vortrag als pdf)
hier der Wortlaut der Resolution:
Resolution der Bürgerinitiative Zukunft der Sachsen-Franken-Magistrale, beschlossen auf der Verkehrskonferenz am 26. Juni 2010 in Plauen
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Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale zügig vollenden!
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Seit der Wende wurde in die Sachsen-Franken-Magistrale zwischen Hof und Dresden 1,1 Milliarden Euro investiert. Es wurden dabei keinerlei Streckenbegradigungen vorgenommen, die Fahrzeiten sind nicht wettbewerbsfähig. Aus diesem Grund wurde auch der Fernverkehr von dieser Strecke genommen. Der gegenwärtig hier angebotene Nahverkehr entspricht in seiner Qualität und Quantität nicht den Erfordernissen. Es werden hier für den Fernverkehr nicht geeignete Dieseltriebzüge eingesetzt. Obwohl seit Jahren die Nachfrage an Wochenenden und Feiertagen besonders hoch ist, sieht sich die DB AG nicht in der Lage, auch an diese Tagen einen durchgehenden Stundentakt zu fahren, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.
Die Bürgerinitiative Zukunft der Sachsen-Franken-Magistrale fordert die sächsische und bayerische Staatsregierung sowie die Bundesregierung auf, den Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale zu vollenden und dafür zu sorgen, dass das Angebot auf Sachsens wichtigster Eisenbahnstrecke wieder Fernverkehrsniveau erreicht. Die Finanzierungsvereinbarung für die Elektrifizierung des Abschnitts Reichenbach - Hof muss schnellstmöglich
unterschrieben werden.
Die Bürgerinitiative ist sich der hohen Bedeutung, die die Sachsen-Franken-Magistrale für die Regionalentwicklung in Südwestsachsen und Nordfranken spielt, bewusst. Sie erschließt weite Teile Südwestsachsens und verbindet die fränkischen Oberzentren mit den sächsischen Städten Plauen, Zwickau, Chemnitz und Dresden.
Gleichzeitig erkennen wir, dass der Bahn in naher Zukunft eine bedeutendere Rolle unter den Verkehrsträgern zukommen wird. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Erdölverknappung ist eine Stärkung des energieeffizientesten Verkehrsträgers das verkehrspolitische
Gebot der Stunde. Auf den kommenden Bedeutungszuwachs muss die Bahnpolitik
bei der Gestaltung des Angebots als auch der Auslegung der Infrastruktur jetzt reagieren. Da insbesondere der Ausbau der Infrastruktur langfristig ausgerichtet ist, müssen für die Bahnpolitik von morgen heute die Weichen gestellt werden.
Gleichwohl müssen wir feststellen, dass derzeit infrastrukturelle Mängel und ein unzureichendes Angebot die Attraktivität der Verbindungen zwischen Schsen und Franken schmälern. Insbesondere die zwischen Reichenbach im Vogtland und Nürnberg klaffende Elektrifizierungslücke ist ein Hemmnis für die Etablierung eines attraktiven Fernverkehrsangebotes zwischen Nürnberg und Dresden. Die vereinbarte Elektrifizierung des Abschnitts Reichenbach - Hof sehen wir daher nur als wichtiges Etappenziel an. Die Planung für die
Streckenabschnitte Hof - Nürnberg (sowohl über Marktredwitz als auch über Bayreuth) und Hof - Regensburg muss so schnell wie möglich eingeleitet werden, damit einem adäquaten Fernverkehr mit geeigneten Fahrzeugen noch vor 2020 nichts mehr im Weg steht.
Wir sind davon überzeugt, dass mit attraktiven Angeboten Menschen dazu bewegt werden können, vom Auto auf die Bahn umzusteigen. Voraussetzung dafür sind häufige, zügige und preislich erschwingliche Verbindungen.
Wir halten den integralen Taktfahrplan, wie er in anderen Ländern Europas und Regionen Deutschlands bereits mit großem Erfolg umgesetzt wurde, für das beste Instrument, um das Fahrplanangebot auf die Anforderungen der Bahnfahrgäste auszurichten. Daher gilt für uns der Grundsatz: Erst das Angebot festlegen und darauf aufbauend die Infrastruktur planen.
Wir unterstützen aus diesen Gründen die Idee des Deutschland-Takts. In einem
Deutschland-Takt wird der Sachsen-Franken-Magistrale mit den Taktknoten Nürnberg, Hof, Chemnitz und Dresden überregionale Bedeutung zukommen. Die Bedürfnisse des Schienengüterverkehrs, insbesondere im künftigen Nord-Süd-Korridor Regensburg - Hof - Leipzig, sind bei der Planung zu berücksichtigen.
Folgende Infrastrukturmaßnahmen zum Ausbau der Sachsen-Franken-Magistrale halten wir für vordringlich:
Ausbau und Elektrifizierung der Strecke Reichenbach - Hof bis 2013
Ausbau und Elektrifizierung der Strecke Hof - Nürnberg bis 2018
Wir fordern die Staatsregierungen von Sachsen und Bayern auf, sich gegenüber dem Bund für die Vollendung der Sachsen-Franken-Magistrale und für den Deutschland-Takt stark zu machen.
Wir fordern die Bundesregierung auf, für die genannten Projekte die notwendigen Mittel in den nächsten Jahren bereitzustellen.
20 Jahre nach Vollendung der staatlichen Einheit Deutschlands muss die wichtigste Eisenbahnstrecke zwischen Bayern und Sachsen zügig fertig gestellt werden.
Plauen, 26. Juni 2010


