Masterplan SACHSENTAKT 21 - Qualittsoffensive fr den Bahnverkehr in Sachsen
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22. März 2014

Endlich per Bahn in den Zipfel! Aber zu selten.


Die verkehrspolitische Sprecherin Eva Jähnigen hatte interessante Gesprächspartner an ihren Tisch geholt: Miluse Trojanova, Bürgermeisterin aus Mikulasovice, Jiri Skoda, grüner Kommunalpolitiker aus Usti nad Labem, Holger Dehnert vom Verkehrsverbund Oberelbe und Stephan Kühn, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag waren gekommen, um den aktuellen Stand des seit Jahren von Bewohner*innen der Region beiderseits der Grenze und von den Grünen geforderten Bahn- (Wieder-) Lückenschlusses zwischen Sebnitz und Dolni Poustevna zu erfahren und darüber zu diskutieren.

Zahlreiche Bahnaktivisten der Region und aus der Oberlausitz wie Günther Gebauer, Matthias Böhm, Klaus Fiedler und Dieter Hesse waren der Einladung erfolgt. Und die erfuhren Erfreuliches: Die Inbetriebnahme der Strecke stehe kurz bevor, sagt Holger Dehnert vom VVO, der im Gegensatz zum Landrat Sächsische Schweiz / Osterzgebirge der Einladung gefolgt war. Gehen die Arbeiten weiter so voran, die sich aktuell nach dem bereits sichtbaren physischem Lückschluss der grenzüberschreitenden Anpassung der Leit- und Sicherungstechnik widmen, werde im Sommer der erste Zug fahren. Betrieben würde die neue Linie Rumburk – Dolni Poustevna - Sebnitz - Bad Schandau - Decin unter dem Namen „U28“ (vielleicht fällt den Verantwortlichen ja noch ein Begriff ein, der nicht an den U-Boot-Krieg erinnert) von einer Kooperation zwischen der DB Regio und der tschechischen Staatsbahn, die Sächsische Städtebahn verliert demzufolge einen Teil ihrer Leistungen. Sicher ist bereits, dass es für die neue Linie auch eine regionale Zeitkarte geben wird, neben den normalen Tarifen mit allen Angeboten. Die Tickets können die Fahrgäste im Zug kaufen, jede Bahn wird einen Zugbegleiter haben.

Der Haken dabei: „Wir hoffen, dass sich Berufstätige auch für den Zwei-Stunden-Takt begeistern können", sagte Herr Dehnert in der Veranstaltung. Gut, die Hoffnung verliert man zuletzt, aber die Verkehrswissenschaft ist da skeptisch. Es steht zu befürchten, dass nach einer ersten Welle der Neugier die Linie dann „nur“ noch vom Tourismus leben wird, mit einer Fahrmöglichkeit aller zwei Stunden lockt man heute keinen Sachsen und auch keine Böhmin von der Straße.

Dennoch war die Stimmung im Saale positiv, die Freude über den endlich greifbaren Erfolg auch der lokalen Bürgerinitiative überwog. Dies ist ja nicht selbstverständlich im Freistaat, der sich gewöhnlich eher mit Reduzierungen von Schienenverkehrsleistungen hervortut, wenn es nicht gerade um den Leipziger S-Bahn-Tunnel geht.
Miluse Trojanova und Jiri Skoda freuten sich vor allem über die erhebliche Zeitverkürzung, die Fahrgästen aus dem Schluckenauer Zipfel für die Reise nach Decin ab dem Sommer winke, und auch darüber, dass das übrige Angebot in Nordwest-Tschechien neu geordnet und optimiert würde.
Stephan Kühn berichtete dazu von den kontraproduktiven Bemühungen des Freistaats Sachsen, im nächsten Bundesverkehrswegeplan eine Neubaustrecke „Dresden – Prag“ zu verankern, die ab Heidenau in einem Tunnel unter dem Erzgebirge bis Lovosice verlaufen solle. Auch wenn es keine realistische Chance gebe, diese Strecke – so man denn ihre Sinnhaftigkeit nicht ohnehin in Frage stelle – in den nächsten dreißig Jahren zu realisieren, würde Minister Morlok versuchen, den Anschein zu erwecken, damit die aktuellen Lärm-Probleme im Elbtal lösen zu können.

Doch zurück in den Nationalpark „Sächsisch-Böhmische Schweiz“:
Nach der (in Sachsen gewohnt) langen Vorgeschichte der Bemühungen, die bis zum Anfang der neunziger Jahre zurückreichen, die bis zum Ende des zweiten Weltkriegs vorhandene grenzüberschreitende Verbindung zwischen Dolni Poustevna und Sebnitz (Sachs) wieder zu eröffnen, wird es nun im Sommer (also vor den sächsischen Landtagswahlen) ein schönes Fest zu feiern geben, Herr Tillich wird eine Schaffnermütze tragen und eine Kelle in der Hand halten, so viel scheint sicher. Weniger sicher scheint die Streckenperspektive: (Auch) Angesichts der vergleichsweise geringen Investitionssumme - Insider sprechen von max. 5 Mio. Euro - für die etwa 700 Meter Gleis, einen Brückenüberbau und zwei Weichen neben der Einbindung in den erst kürzlich in Sebnitz installierten „tuZ“ (technisch unterstützter Zugleitbetrieb) kann man wohl nicht von einer Bestandsgarantie ausgehen, sollte das sächsische Verkehrsministerium künftig CDU-geführt sein oder gar in den Händen des Amtsinhabers bleiben.

Autor:
Sandro Zimmermann


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