Masterplan SACHSENTAKT 21 - Qualitätsoffensive für den Bahnverkehr in Sachsen
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22. April 2010

Dem Radeberger Verkehr auf der Spur in Schloss Klippenstein


Mehr Bahn für alle! Weichen stellen für den Nahverkehr in der Region Radeberg

Am Abend des 21. April fanden sich ca. 15 interessierte Bürger zur Podiumsdiskussion zum Thema Öffentlicher Verkehr in Radeberg zusammen. Die Stadt Radeberg, die sich entfernungsmäßig und von ihren Verkehrsströmen her sehr eindeutig Richtung Dresden orientiert, ist zum Einen eines der wenigen Gebiete jenseits der Lausitz im neuen Landkreis Bautzen,  zum Anderen betroffen durch die nahe verlaufende Grenze der beiden kommunalen Verkehrszweckverbände VVO und ZVON.

Als Hausherrin im wunderbaren und in der weiteren Umgebung völlig unbegründet eher unbekannten Schloss Klippenstein begrüßte mit Katja Altmann eine GRÜNE Kreisrätin die Anwesenden.

Nachdem mit Eva Jähnigen, die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag ins Thema eingeführt hatte, stellte mit Fritjof Mothes, ein Verkehrs- und Regionalplaner aus Leipzig den für die Fraktion erarbeiteten Masterplan "SACHSENTAKT 21"  - ein neues Konzept für ein vernetztes sowie kundenfreundliches Bahn- und Bussystem mit Vertiefung auf den Ballungsraum Dresden/ Ostsachsen vor.

Den Zuständigkeitswirrwarr für die verschiedenen Öffentlichen Verkehre (genannt seien hier nur Schienenpersonenfernverkehr, Schienenpersonennahverkehr, Straßenbahn- und Busverkehre), versuchte Eva Jähnigen etwas zu lichten.

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Hier ein Bericht der Sächsischen Zeitung zur Veranstaltung:

Freitag, 23. April 2010 (Sächsische Zeitung Rödertal)


Radeberg soll beim Nahverkehr zulegen

Von Jens Fritzsche

Hannes Schmidt kommt aus Lomnitz mit dem Auto nach Radeberg und fährt dann mit dem Zug weiter nach Dresden. Früh um sieben bekommt er hier noch einen Parkplatz.

Radeberg hat's in Sachen Nahverkehr eigentlich gut. Regelmäßig fahren Züge und Busse ins nahe Dresden, das Empfangsgebäude des Bahnhofs ist durch die Stadt Radeberg auf Vordermann gebracht worden und die Züge rollen sogar bis kurz vor Mitternacht von Dresden aus in der Bierstadt ein.

Dennoch gab's Mittwochabend beim Verkehrsforum auf Schloss Klippenstein eine Menge Kritisches zu hören. Die Landtagsfraktion der Grünen tourt derzeit durch Sachsen, um ihr Verkehrskonzept "Sachsentakt21" vorzustellen - am Mittwochabend waren die Grüne-Landtagsabgeordnete Eva Jähnigen und der für die Grünen arbeitende Leipziger Verkehrsplaner Fritjof Mothes auf Schloss Klippenstein zu Gast. Und die beiden hörten dann unter anderem folgende Kritikpunkte: Der Pendlerparkplatz am Bahnhof ist zu klein, die Züge sind während der Berufsverkehrszeit viel zu voll und die Dörfer rings um Radeberg sind trotz guter Anbindung der Bierstadt selbst am Abend weitgehend vom Nahverkehr abgekoppelt. Radebergs Grünen-Stadtrat Rolf Daehne moniert: "In Radeberg ist auch der Weg zum Bahnhof das Problem." Eine wirklich gute Busanbindung fehle weitgehend. Und auch die Radwege lassen zu wünschen übrig, so Daehne.

Aussagen, die sich auch mit statistischen Zahlen decken: 54 Prozent der
Radeberger sind in der Stadt per Auto unterwegs, 26 Prozent gehen zu Fuß,
zwölf Prozent per Rad und nur knapp sieben Prozent nutzen Bus oder Bahn.
Nicht zu vergessen: die Tarifgrenzen. Wer zum Beispiel von Radeberg nach
Dresden fährt, überquert in Langebrück eine Tarifgrenze und zahlt kräftig
zu. Nicht wenige rollen deshalb allmorgendlich von Radeberg per Auto nach
Langebrück und steigen erst dort dann in den umweltfreundlichen Zug ein.

Kommunalpolitik ist gefordert

Dinge, die die Grünen bei ihren Verkehrsdiskussionen landauf, landab zu
hören bekommen. "Bei den Tarifgrenzen sind die Kommunalpolitiker dringend
gefordert, denn die entscheiden in den Verbandsversammlungen der
Verkehrsverbünde darüber", stellte Eva Jähnigen klar.

Dabei gehe es grundsätzlich nicht darum, mehr Geld für den Öffentlichen Nahverkehr einzufordern, beschrieb Verkehrsplaner Fritjof Mothes das Anliegen des Verkehrskonzeptes. "Man kann mit sinnvoller Verknüpfung große Erfolge feiern!" Es mache beispielsweise keinen Sinn, allein einzelne Strecken schneller zu machen, wenn am Ende die Anschlüsse an andere Strecken nicht funktionieren. Das Bundesland Rheinland-Pfalz habe es vorgemacht: Durch größere Effizienz wurden die Fahrgastzahlen verdoppelt.

Die Grünen fordern, jeder Sachse müsse stündlich Anschluss an den Nahverkehr haben. Egal, wo er wohnt. Das Ganze funktioniere durch Knotenpunkte, so Mothes. Dort treffen sich alle Nahverkehrsangebote, leichtes Umsteigen wird möglich. Und die Fahrzeuge können so ständig pendeln, "teure Stillstands-und Wartezeiten entfallen." Allerdings brauche es dringend Koordination durch den Freistaat, mahnte Eva Jähnigen an. "Sachsen überlässt bisher alles den Verbünden, deshalb herrscht zuviel Kleinstaaterei", kritisiert sie.

(Ende der Berichterstattung der SZ)

Die sich anschließende ca. einstündige Diskussion, die vom GRÜNEN Stadtrat Rolf Daehne moderiert wurde, widmete sich u.a. den Themen der unbefriedigenden Fahrradmitnahme in Bussen, dem ausgedünnten Busnetz in den Randlagen Radebergs, mangelnden Fahrradabstellanlagen am Bahnhof in Radeberg, dem Tarifdschungel beim Übergang über die Grenzen der beiden Zweckverbände, dem mangelndem Service der DB sowie Fördermöglichkeiten u.a. für Park  Ride-Systeme.

Immer wieder wurde die entscheidende Frage gestellt, wer angesichts der verschiedenen Zuständigkeiten und Planungsebenen eigentlich die Koordinierung der Öffentlichen Verkehre in Sachsen übernimmt. Minister Morlok ist es offensichtlich nicht. Die anwesenden Parlamentarier des Stadtrates, Kreistages und Landtages werden einige der angesprochenen Probleme auf ihren Ebenen weiterbearbeiten und nachbohren.

Ein überraschendes Fazit am Ende des Abends: Als Moderator Rolf Daehne nach der Anzahl der mit Öffentlichen Verkehrsmitteln angereisten Teilnehmenden fragte, gingen fast alle Arme nach oben.


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